Das Risiko von Nachblutungen kann bei einer Beschneidung leider nicht ausgeschlossen werden. Da ein Kind ein wesentlich geringeres Blutvolumen als ein Erwachsener hat, können schon Verluste "kleinerer" Mengen Blut eine Lebensgefahr für ein Kind darstellen. So kann beispielsweise der Verlust von 20 ml Blut für einen Säugling bereits lebensbedrohlich sein. Nachblutungen sind ein medizinischer Notfall, und Eltern sollten sofort einen Arzt oder den Notarzt verständigen.
Chirurgische Nähte können aufgehen ("Nahtinsuffizienz"), sodass der Schnitt in einer weiteren Operation neu verschlossen werden muss. Dieses Risiko ist nicht unbedingt von der Erfahrung des/
Bakterielle Infektionen können von der Schnittwunde des Beschneidung ausgehend auf das gesamte Genital und dann auch auf den Unterbauch des Kindes übergreifen. Solche Infektionen sind nicht nur selber lebensbedrohlich, wenn sie sich zu einer Blutvergiftung ("Sepsis") ausweiten. Sie können auch das Gewebe des Penis zerstören, was dann zu einem lebenslang entstellten Genital führen kann.
Eine Beschneidung ohne Anästhesie ist zweifellos äußerst grausam, eine massivste körperliche Misshandlung und eine Tortur für ein Kind. In so fern ist eine Anästhesie unverzichtbar. Doch auch diese hat eigene Risiken, die nicht geleugnet werden sollten.
Für eine Lokalanästhesie des Penis sind mindestens zwei tiefe Injektionen in das Becken rechts und links des Penisansatzes notwendig (sogenannter "Penisblock"). Tiefe Injektionen im Genitalbereich zum Zwecke der Betäubung sind selber sehr schmerzhaft und für ein Kleinkind äußerst quälend.
Bei solchen Injektionen kann es auch zu einer Fehlinjektion von Lokalanästhetikum in die Blutbahn kommen. Atemstillstand und epileptische Anfällen sind dann oftmals die Folge. In unserer Presseschau finden Sie Berichte über zwei Gerichtsfälle aus den letzten Jahren, wo es bei ärztlichen Injektionen an Säuglingen zu solchen Fehlinjektionen gekommen ist. Das Risiko für eine Fehlinjektion ist bei einem Kleinkind höher als bei einem Erwachsenen, denn bei kleinen Kindern sind Nerven und Gefäße noch sehr dünn und liegen sehr nah beieinander.
Eine Vollnarkose ist medizinisch gesehen das einzig angemessene Verfahren zur Anästhesie bei einem Genitaleingriff an einem Kind. Trotzdem darf nicht übersehen werden, dass es bei jeder Vollnarkose zu einem "Zwischenfall" kommen kann. Solche Zwischenfälle können auch in einem Krankenhaus in Deutschland heute noch tödlich ausgehen, wie dies u.a. leider auch an der Widmung unserer Arbeit zu sehen ist. Das Risiko für einen Narkosezwischenfall ist in der Regel umso höher, je jünger ein Kind ist.
Es ist leider ein Irrtum anzunehmen, dass in der modernen Medizin in Deutschland Amputationen bei Beschneidungen nicht vorkommen können. Auch in Deutschland kommt es immer wieder vor, dass Jungen Teile ihrer Eichel oder ihres Penis bei einer Beschneidung durch Ärzte/
Nach einer Hochrechnung einer Forschungsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aus dem Jahr 2014 müssen jedes Jahr mehr als 400 Jungen in Deutschland wegen einer Komplikation einer ambulanten Beschneidung stationär in ein Krankenhaus aufgenommen werden.
Das ist mehr als ein Junge jeden Tag irgendwo in Deutschland.
Quelle: Zöller C et al., 131. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Berlin 2014.Neben den oben genannten akuten Risiken für Schäden hat Beschneidung auch einige Risiken für Langzeitfolgen. Lesen Sie hier mehr dazu in der Rubrik "Spätfolgen".
Eine Zusammenfassung der möglichen Nebenwirkungen, die akut oder nach längerer Zeit durch Beschneidung auftreten können, sowie auch die möglichen psychischen Folgen, finden Sie in unserer Rubrik "Übersicht über die möglichen Nachteile".