Icon Queer und Kinderschutz

    Fünf Gründe, warum Schutz vor Jungen­beschneidung und das queer-politische Engagement am Christopher-Street-Day (CSD) zusammengehören.

      Icon eines Jungen, der sein Genital vor Beschneidung mit den Händen schützt

      1. Genitale Selbst­bestimmung ist ein Kern aller queer-politischen Forderungen.

      Im Zentrum der Anliegen des Christopher-Street-Day steht die genitale Selbstbestimmung, und damit die Frage: Darf ich selber darüber bestimmen, was ich mit meinen Genitalien mache, oder bestimmen andere darüber? Die Frage der Kinder­beschneidung dreht sich um genau das selbe Thema, nämlich die Tatsache, dass andere Personen über das Genital eines Jungen bestimmen, und jenseits von medizinischer Notwendigkeit chirurgische Veränderungen an diesem Genital vornehmen. Dies ist wohl kaum vereinbar mit dem Gedanken der Selbstbestimmung, und aus diesem Grund ist Schutz vor Kinder­beschneidung ein relevanter Beitrag für alle, die sich öffentlich für genitale Selbstbestimmung am CSD einsetzen.

        2. Am CSD sollen genitale Tabu­themen sichtbar gemacht und negativ Betroffenen eine Stimme gegeben werden.

        Natürlich müssen sich nicht alle Personen, die als Kind beschnitten wurden, später als geschädigt wahrnehmen, doch ein Teil davon tut es eben. Personen, die sich durch einen Eingriff an ihren Genitalien in der Kindheit geschädigt sehen, werden aber oftmals unsichtbar gemacht, diskriminiert und zum Schweigen gebracht.

        Dies geschieht zum einen dadurch, dass das Thema gesellschaftlich tabuisiert wird. Weiterhin können patriarchale und hetero­normative Vorstellungen dazu beitragen, dass betroffene Personen sich nicht negativ über ihre Beschneidung äußern dürfen. Darüber hinaus werden solche Klagen auch in professionellen und medizinischen Kontexten oftmals entwertet.

        In der Bekämpfung solcher Tabus und Unsichtbarkeiten bei genitalen Thematiken besteht eine klare Kongruenz mit den gesellschafts­politischen Ziel­setzungen des queeren Engagements am CSD.

          3. Aufklärung am CSD zum Thema Jungenbeschneidung dient der Förderung von sexuellem Wohl­befinden und sexueller Gesundheit.

          Beschneidung kann mit vielfältigen medizinischen, psychischen und sexuellen Folgen einher gehen. Aufklärungsarbeit zu diesem Thema trägt daher ganz entscheidend zu sexuellem Wohlbefinden bei, sowohl bei von Beschneidung betroffenen Personen selbst, als auch bei deren Partnerpersonen. Sexuelles Wohlbefinden und sexuelle Gesundheit sind wiederum zentrale Anliegen all jener Gruppen und Initiativen, die sich im Rahmen des CSD der Öffentlichkeit präsentieren. 

              4. Die Relevanz von Beschneidung für trans Personen sollte am CSD deutlich gemacht werden.

                Viele wissen nicht, dass trans Personen auf die Vorhaut in besonderer Weise angewiesen sind, wenn sie eine operativ feminisierende Angleichung (Transition Mann-zu-Frau) bzw. die chirurgische Konstruktion einer Neovulva durchführen lassen wollen. Das Gewebe der Penisvorhaut wird dabei für die operative Bildung der verschiedenen anatomischen Strukturen benötigt, um Form, Funktion und höchstmögliche Sensibilität zu gewährleisten. Wenn diesen Personen die Vorhaut als Kind entfernt wurde, steht das Gewebe nicht mehr zur Verfügung, und die Operation kann nicht mehr in der vorgesehenen Form durchgeführt werden. Insofern hat mangelnde Aufklärung über Kinderbeschneidung sehr reale Konsequenzen für das Leben von trans Personen, was ebenfalls zu den zentralen Anliegen der LGBTQIA+ Community am CSD gehört.

                Icon von zwei Kindern in einer Waage

                    5. Die Forderung des CSD nach Gleichstellung muss auch im Kinderschutz unabhängig vom Geschlecht gelten.

                    Kinderschutz, der eine Unterscheidung je nach Geschlecht macht, ist kaum mit dem Ziel der Gleichstellung vereinbar, was ein zentrales Anliegen des CSD ist. Wer öffentlich für Gleichstellung und den Schutz aller Geschlechter eintritt, kann dann keine stille Ausnahme beim Genital von Jungen machen, ohne an eigener Glaubwürdigkeit zu verlieren.